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Bericht Erich Bernhaupt

Erich, März 2009

Eine kurze Zusammenfassung zu meiner Dunkeltherapie bei Holger Kalweit im Februar 2009 für Wolfgang Reichl.

Ich habe im September 2008 zufällig mitbekommen, wie Wolfgang Reichl einiges über seine Erlebnisse bei der Dunkeltherapie schilderte und habe sofort gespürt, dass ich das auch selbst erleben möchte. Eine kurze Suche im Internet brachte mich zu den spärlichen Informationen über Holger Kalweit und zu seiner Kontaktadresse. Die Terminplanung war schwierig, weil ich es so schnell als möglich organisieren wollte, meine Verpflichtungen aber kein kurzfristiges Zeitfenster mit mindestens zehn Tage ermöglichte. Im Februar ist es endlich gelungen und es war ein ganz besonderes Erlebnis.

Vorbereitet habe ich mich darauf nicht. Ich wollte möglichst unbelastet in die Sache hinein gehen. Meine Vorstellungen über das, was mich da so erwarten würde, war, im nachhinein betrachtet, recht nahe dem Erlebten. Zweifel, ob da alles mit rechten Dingen zugehen würde hatte ich keine. Die Angst um meine geistige und körperliche Gesundheit war gleich null. Warum ich mir der Sache so sicher war kann ich nicht erklären. Das war reines Bauchgefühl.

Alternativen zur Dunkeltherapie gäbe es massenweise. Warum habe ich es aber dann wirklich getan? Der Reiz des Außergewöhnlichen, des Mystischen. Die Herausforderung der Belastung. Die Chance auf neue Erkenntnisse. Raus aus dem Alltagswahnsinn. Hinein in mein Inneres. Die Hoffnung auf Veränderungen nach der Dunkelheit, ...

Die lange Anreise mit dem Zug habe ich sehr genossen. Ich war ruhig wie selten zuvor. Der Übergang in die Dunkelheit war dann sehr schnell. Ein erstes Gespräch mit Holger über den Ablauf. Kurze Orientierung wie der Raum und das Badzimmer aussehen. Platzierung der benötigten persönlichen Dinge wie Wäsche, Wasch-, Rasier- und Zahnputzzeug. Vorbereitung eines Notizblock zum Mitschreiben der Gedanken und Eindrücke. Letztes SMS an meine Frau und Kinder, das ich gut angekommen bin. Dann Handy aus, Uhr weggepackt und Licht aus. Ab jetzt gibt es nur mehr die Dunkelheit, mich und etwa ein einstündiges Gespräch pro Tag mit Holger.

Da ich noch nie in meinem Leben gefastet habe, war ich sehr neugierig wie mein Körper darauf reagieren würde. Am Morgen des zweiten Tages habe ich 1, 5 Liter Salzwasser (2 Liter hätte ich sollen) in mehreren ¼ Liter Portionen hinuntergewürgt. Das war eher weniger lustig, aber es hat gewirkt. Nach etwa 2 Stunden war der Darm geleert und gereinigt. Ich hatte kein Hungergefühl mehr. Und nachdem der Salzgeschmack nicht mehr da war, habe ich mich auch richtig wohl gefühlt. Laut Holger kann man sich an diese Prozedur gewöhnen. Da bin ich für mich allerdings sehr skeptisch. Aber für dieses Mal war es goldrichtig.

Die Kombination Dunkeltherapie und Fasten war für mich ideal, weil ich damit zwei Lebenserfahrungen zur selben Zeit unterbrachte. Außerdem hätte ich keine Lust gehabt, während der Dunkeltherapie ständig etwas zu essen was ich nicht sehen kann.

Die ersten zwei bis drei Tage waren dann dadurch geprägt, mich mit der neuen Situation anzufreunden, die Müdigkeit und Reizüberflutung des Alltag durch viel Schlaf und stundenlanges Sitzen und Starren in die Dunkelheit abzubauen. Fragen - wie komme ich unfallfrei durch den Raum und in das Badzimmer? und wie koche ich mir einen Tee ohne die Finger zu verbrennen? - waren bald keine Themen mehr. Leitungswasser und verschiedene Tees, meist Früchtetee, mindestens zwei Liter am Tag, habe ich täglich zu mir genommen.

Nach dieser ersten Phase kamen dann aber ganz neue Aspekte dazu. Jetzt wechselte sich die Langeweile mit der Wahrnehmung faszinierenden Erscheinungen ab. Wobei sich die Beobachtungen virtuell im Kopf abspielten und nichts mit dem Raum des Zimmers zu tun hatten. Fast jeden Tag kamen neue Formen, Lichter und Gestalten dazu.

Die Kreativität der Gedanken wurde durch die Dunkelheit unglaublich gesteigert. Mir sind so viele neue interessante Dinge eingefallen, ähnlich dem, wie ich es erlebe, wenn ich eine Stunde alleine durch den Wald laufe.

Dazwischen wieder die große Leere. Was mache ich hier? Lebenserhaltungsmaßnahmen wie Teetrinken, Waschen und Rasieren, ca. 30 Minuten pro Tag Körpertraining boten eine nützliche Abwechslung. Dieses Training war für mich ein wichtiger Gradmesser um festzustellen, wie es mir physisch geht. Die anfänglichen Bedenken, dass das Fasten meine Muskelkraft abbauen würde, konnte ich mir selbst relativieren, indem ich jeden Tag einen Belastungstest durchführte. Und zwar anhand von Liegestützen, die ich sogar gegen Ende steigerte. Die bekannten Fastensschmerzen die ich hauptsächlich in der Beinmuskulatur spürte, kamen spät aber doch. Wärme und viel trinken haben mir dagegen geholfen. Schlussendlich habe ich fünf Kilogramm an Gewicht verloren. Der Haut und den Augen hat die Dunkeltherapie subjektiv sehr gut getan.

Ich hatte mir vorgenommen jeden Tag zumindest die wichtigsten Eindrücke und Gedanken aufzuschreiben. Die technische Umsetzung ist leider nicht vollständig gelungen. Ab und zu ist es mir leider passiert ,dass die Texte ineinander gelaufen sind.

Das Ende war dann besonders wohltuend. Nachdem mich Holger mit verbundenen Augen in den Wald geführt hatte, konnte ich langsam und ganz alleine, an einem kalten aber schönen Wintermorgen mit Sonnenaufgang die Natur genießen. Ich stand vor einem Baum, hörte Vögel zwitschern, sah den glitzernden Schnee und habe alles in einer ungewohnten Schärfe und Schönheit wahrgenommen. Sogar den Vogel in den Wipfeln des Baumes habe ich gut und scharf gesehen, obwohl ich seit einiger Zeit ohne Brille in die Ferne nicht mehr scharf sehen kann. Die verbesserte Sehschärfe hat sich aber leider in wenige Tage nach der Dunkeltherapie wieder auf den alten Stand reduziert. Die Rückfahrt mit dem Zug und die Pizza nach der Ankunft war ein Genuss. Am nächsten Tag hat zwar wieder mein Alltag begonnen, aber aus einem ganz neuen Blickwinkel.

Meine Erzählungen bei Verwandten, Freunden und Arbeitskollegen hat im Grunde nicht das Echo hervorgerufen, das ich erwartet hätte. Nicht, dass ich nicht angehört worden wäre. Ich hatte nur das Gefühl, es kommen nicht die Fragen um der Sache näher zu kommen, und so wurde das Thema relativ schnell abgeschlossen. Es liegt mir aber auch fern, wie ein Wanderprediger mit meinen Erzählungen umherzulaufen. Ich freue mich jedoch, wenn ich auf Interesse stoße, und ich mich mit Personen austauschen kann die ähnliches erlebt haben oder erleben wollen.